»Spare in der Zeit, so hast Du in der Not«: Volksweisheiten sind oft mehr als nur Binsen, sondern das Ergebnis einer evolutionär, durch Versuch und Irrtum gewachsenen und Generationen übergreifenden kollektiven Erfahrung. Eindrucksvoll bestätigt wurde diese Erkenntnis wieder während der COVID-19-Pandemie. Eine Studie der britischen »Resolution Foundation« zeigte, dass wirtschaftlich am verwundbarsten diejenigen Haushalte sind, die einerseits über die geringsten privaten Ersparnisse verfügen und andererseits am meisten durch die Stilllegungen in der Wirtschaft von Einkünften abgeschnitten werden.

Der typische Arbeitnehmer eines Unternehmens, das im Rahmen der Lockdowns schließen musste, verfügt mit rund 1.900 brit. Pfund (ca. 2.090 EUR) an Ersparnissen weit weniger als der Arbeitnehmer, der von Zuhause (oder weiterhin im Betrieb) arbeiten kann. Dieser hat ein Sparguthaben von durchschnittlich 4.700 Pfund (ca. 5.160 EUR). Während sich 24 Prozent der ersten Gruppe besorgt zeigten, schon einen Monat nach Ausfall der Haupteinkommensquelle in Schwierigkeiten zu geraten, waren es bei den »Heimarbeitern« 17 Prozent. Jeder vierte der von Arbeitslosigkeit bedrohten Haushalte hat während der Krise häufig das Ersparte aufgebraucht und musste vermehrt teure Verbraucherkredite in Anspruch nehmen. So zeigte sich auch bei der stark von Betriebsschließungen betroffenen Gastronomiebranche, dass deren finanzielles Polster nach höchstens vier oder acht Wochen aufgebraucht war.

Im Gegensatz dazu haben die vom Homeoffice aus Arbeitenden weitgehend sichere Jobs, verdienen in etwa das gleiche wie vor der Krise, können aber – z.B. beim Reisen oder in der Gastronomie – weniger ausgeben, wodurch das Vermögen sogar zunimmt (jedenfalls bei 34 Prozent der betreffenden Gruppe). Nur einer von acht Haushalten mit hohem Einkommen musste einen Verbraucherkredit in Anspruch nehmen.

Diejenigen indessen, die von Lockdowns betroffen sind, ihren Arbeitsplatz verlieren oder einen Einkommensrückgang hinnehmen müssen, sind nicht in der Lage, ihre Ersparnisse aufzustocken. Im Gegenteil: sie werden zwangsläufig zur Aufnahme hoch verzinster Kredite gedrängt. Andere Optionen bleiben ihnen kaum, um über die Runden zu kommen. Dadurch werden sie aber noch ärmer. Selbst bei staatlicher Unterstützung. Sie haben nämlich die gleichen oder sogar höhere Kosten als zuvor, aber weniger Einnahmen.

Gerade die Frage des Ersparten ist aber von zentraler Wichtigkeit, wenn es darum geht, wie wirtschaftlich widerstandsfähig (resilient) ein Haushalt ist. Nur wer über Liquidität, d.h. Geld auf der Bank (oder unterm Kopfkissen) verfügt und keine Schulden hat ist in der Lage bei externen Schocks ohne teure Kredite auszukommen. Haushalte ohne große Ersparnisse sind auch wesentlich anfälliger, selbst bei vergleichsweise kleinen ökonomischen Schocks. Sogar die Reparatur oder der Kauf einer neuen Waschmaschine kann hier an die wirtschaftliche Substanz gehen.

»Die Auswirkungen der Coronavirus-Krise werden die betroffenen Familien noch viele Jahre lang begleiten«, schließt die Studie. Dies dürfte ähnlich für alle Industriegesellschaften gelten.

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