Extremereignisse (sog. »tail risks«) wie Covid-19 sind im Vergleich zu anderen Markterschütterungen glücklicherweise selten. Sie treten jedoch regelmäßiger auf, als die meisten Menschen denken, wobei Pandemien nur ein Beispiel sind. In einem neuen Bericht untersucht das »Thematic Research Team« von »Deutsche Bank Research« verschiedene Tail-Risks (oder »Schwarze Schwäne¹«), die eine weitere globale Krise auslösen könnten, und bewertet die Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens.

Das Team hebt hervor, dass die Wahrscheinlichkeit, dass innerhalb des nächsten Jahrzehnts mindestens eines der vier nachfolgend genannten Risiken eintritt, bei eins zu drei liegt:

  • eine große Influenzapandemie, die mehr als zwei Millionen Menschenleben kostet,
  • ein weltweit katastrophaler Vulkanausbruch (z.B. Yellowstone, Phlegräische Felder),
  • eine große Sonneneruption mit EMP² oder
  • ein globaler Krieg.

Viele dieser Risiken sind in der Tat regelmäßige historische Ereignisse. Da sie aber in letzter Zeit nicht stattgefunden haben, sind sie vom Radar der meisten Menschen verschwunden. Beispielsweise gab es im 20. Jahrhundert drei Grippepandemien mit jeweils weltweit über einer Million Toten. Das ist mehr als doppelt so viel wie die bisher bestätigte weltweite Todesrate durch das Coronavirus ‒ und pro Kopf sogar noch höher. Inzwischen hat es seit dem 19. Jahrhundert keine massiven Vulkanausbrüche oder Sonneneruptionen mehr gegeben, aber beide hätten das Potenzial, schwere globale Schocks zu verursachen. In der Tat hat die Welt einen kleinen Vorgeschmack davon erhalten, was möglich ist, als aufgrund des Ausbruchs des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull 2010 der größte Teil des europäischen Luftraums gesperrt wurde oder als 1989 nach einem geomagnetischen Sturm in der kanadischen Provinz Québec die Region um Montreal von einem neunstündigen Stromausfall lahmgelegt wurde.

Diese Risiken sind real, und sich aufschaukelnde »Zweitrundeneffekte« nach den ersten Auswirkungen können für sich genommen erhebliches Zerstörungspotenzial entwickeln, so wie auch das Coronavirus zu umfangreichen Ausnahmezuständen und einer globalen Rezession geführt hat. Obwohl wir das Glück hatten, eine bislang vergleichsweise stabile Zeit durchlebt zu haben, zeigten die jüngsten Vorkommnisse, dass Extremereignisse wie diese unsere Volkswirtschaften und Gesellschaften innerhalb weniger Wochen gründlich verändern können. Es ist wahrscheinlich, dass es in den kommenden Jahrzehnten noch mehr solcher Ereignisse geben wird.

Der vollständige Bericht kann hier angefordert werden.

¹Schwarzer Schwan: Seltenes und höchst unwahrscheinliches Ereignis mit extremen Konsequenzen.
²EMP, d.h. Elektromagnetischer Impuls: Laut Bundesinnenministerium kann der EMP »alle elektronisch gestützten Maschinen vom Flugzeug bis zum Herzschrittmacher stören oder zerstören, er gefährdet die zentralen Systeme von Rundfunk, Rettungswesen, Krankenhäusern, Energieversorgung und Bahntransport – mit entsprechender Gefahr für das Warnwesen, die Patientenversorgung und Evakuierungen«.

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