Die momentane COVID-19-Pandemie wirft eine Reihe wichtiger Fragen hinsichtlich der Konzeption des Business Continuity-Managements auf. Dazu gehören die Mitarbeiterverfügbarkeit, die Unterbrechungen von Lieferketten und die als räumliche Distanzierung (engl.: physical distancing) bezeichnete Vorschrift des »Sicherheitsabstandhaltens« als nicht-pharmazeutische Maßnahme zur Infektionskontrolle.

Wenn die Unternehmen operativ wieder voll einsatzfähig sind, müssen sie sich auf eine neue Normalität mit deutlich veränderten Geschäftsmodellen einstellen. Davon geht jedenfalls das britische Beratungsunternehmen »Crises Control« in einem aktuellen Whitepaper aus.

Unter dem Titel »Helping your business to survive through COVID-19 and beyond« heißt es, dass herkömmliche Maßnahmen zur Gewährleistung der »wirtschaftlichen Existenzsicherung bei einer unternehmenskritischen Notfallsituation«, wie z.B. der Um- oder Rückzug zu einem Ersatz-Standort, während einer Pandemie nicht funktionieren werden. Im Gegensatz zu einem »Standard-Business Continuity-Ereignis«, bei dem die Wiederherstellung der Technologie, etwa nach einem IT- bzw. System-Ausfall oder einem Gebäudeausfall, das größte Problem darstellt, kann die Technologie während einer Pandemie die Lösung sein.

Ein wesentliches Element des neuen Normalzustands werden Mitarbeiter sein, so wird prognostiziert, die von zu Hause aus arbeiten, wo und wann immer dies möglich ist. Dies hat sowohl für die Mitarbeiter als auch für das Unternehmen Vorteile: weniger Zeit- und Kostenaufwand für den Arbeitsweg als Pendler, verminderte Infektionsgefahr und eine agilere und widerstandsfähigere Belegschaft. Es besteht aber auch die Gefahr, dass die Mitarbeiter z.B. keinen geeigneten Heimarbeitsplatz vorfinden oder einrichten können. Hier haben Unternehmen die Fürsorgepflicht, dafür zu sorgen, dass ihre Mitarbeiter einen sicheren Arbeitsplatz haben, der sowohl die digitalen Betriebsgeheimnisse schützt und die Anforderungen an Informationssicherheit, Arbeitsplatzsicherheit, Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und andere Anforderungen zu erfüllen vermag. Bei der ordnungsgemäßen Einrichtung sollte das Heimbüro von einer Standortbesichtigung und einer Risikobewertung der Arbeitsumgebung begleitet werden …

Mehr dazu im Whitepaper von Crises Control.

Ergänzend dazu gibt es eine Studie des US-Unternehmens GlobalData, die untersucht, inwieweit Unternehmen auf eine Pandemie vorbereitet waren und welche Strategien sie jetzt zur Sicherstellung der Betriebskontinuität einsetzen. Die wichtigsten Ergebnisse:

  • 93 Prozent der Unternehmen geben an, dass sie ihre IT-Prioritäten entweder inkrementell¹, signifikant oder dramatisch geändert haben. Die Unternehmen sind dabei, ihre IT-Gesamtstrategie zu aktualisieren, wobei es für die Befragten in allen Regionen oberste Priorität hat, Richtlinien für ihre Mitarbeiter an entfernten Standorten aufzustellen. Dazu gehören Bereiche wie die Gewährleistung, dass Mitarbeiter eine sichere Verbindung herstellen und auf ihre Anwendungen und Daten zugreifen können.
  • Fast jedes zehnte Unternehmen verfügte nicht über einen Business Continuity-Plan vor COVID-19. Von den Organisationen, die über einen Plan zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs verfügten, hatte fast ein Drittel (29 Prozent) keine Pläne, um auf ein unerwartetes globales Ereignis wie eine Pandemie zu reagieren. In den USA gaben sogar nur 14 Prozent an – der niedrigste Wert unter allen Regionen –, über einen vollständigen Business Continuity-Plan zu verfügen, der auch Großereignisse und Pandemien einschließt. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Unternehmen nicht nur den Umfang der Business Continuity-Planung dramatisch ausweiten müssen, sondern sich auch auf mehr Datentools stützen müssen, um die verborgenen Beziehungen zwischen den Datensätzen aufzudecken, mehr Schwachstellen zu identifizieren und Möglichkeiten zu prüfen, wie eine Risikobewertung auf einer formelleren und regelmäßigeren Basis erstellt werden kann.
  • Video- und Webkonferenzen werden die Art der Zusammenarbeit dramatisch verändern. 98 Prozent der Befragten glauben, dass Videokonferenzen als Ersatz für persönliche Treffen nach der Erholung von COVID-19 immer mehr an Bedeutung gewinnen werden.
  • Nahezu die Hälfte der Befragten wendet nun eine »Cloud-first«-Strategie bei den Kundenbeziehungen an, um die End-to-End-Fähigkeiten hinsichtlich Schnelligkeit und Agilität bei der Kundenbetreuung zu verbessern. Die Umsetzung dieses Vorhabens erfolgt mit 57 Prozent am stärksten in Nordasien, gefolgt von Südostasien und Australien/Neuseeland mit 52 Prozent.
  • Den Umfrageergebnissen zufolge haben acht von zehn Unternehmen gegenwärtig einen bestimmten Prozentsatz von Mitarbeitern, die »aufgrund von starren IT-Regeln nicht arbeiten können«. Eine der unmittelbarsten IT-Prioritäten aus der Umfrage wird daher in der besseren Anbindung von entfernten und mobilen Mitarbeiter gesehen. Das heißt: Nach COVID-19 müssen die IT-Netzwerke softwaredefiniert, Cloud-fähig, automatisierter und flexibler sein.

Die Studie kann hier angefordert werden.

¹Inkrementelle Entwicklung ist eine Strategie zur Termin- und Ablaufplanung, in der die verschiedenen Teile des Systems zu unterschiedlichen Zeiten und mit verschiedenen Geschwindigkeiten entwickelt und umgehend im Gesamtsystem integriert werden.

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