Infolge der COVID-19-Pandemie könnten Gewalt und Konflikte in vielen Ecken der Welt zunehmen. Das ist das Ergebnis des aktuellen »Global Peace Index 2020« (›GPI 2020‹). In dieser jährlich vom australischen »Institute for Economics and Peace« (IEP) veröffentlichten Studie werden 163 unabhängige Staaten und Territorien danach eingestuft, wie friedlich bzw. kriegerisch sich die Lage vor Ort darstellt.

Themenkarte Krieg und Frieden

Die Pandemie, so heißt es, habe massive Auswirkungen auf die Gesellschaften. So zeigten die Ergebnisse in diesem Jahr, dass sich das Niveau des globalen Friedens verschlechtert habe, wodurch die durchschnittliche Länderbewertung um 0,34 Prozent gesunken sei. Damit wurde die neunte Verschlechterung des Friedensniveaus während der letzten zwölf Jahre gemessen. In 81 Ländern habe sich die Lage verbessert, 80 Länder verzeichneten im vergangenen Jahr hingegen eine Verschlechterung. Der ›GPI 2020‹ offenbare eine Welt, in der die Konflikte und Krisen, die im vergangenen Jahrzehnt entstanden seien, allmählich nachließen, um dann durch eine neue Welle von Spannungen und Unsicherheit wegen der COVID-19-Pandemie ersetzt zu werden.

Während die seit Jahren andauernden Konflikte begonnen hätten, in ihrer Intensität nachzulassen oder zumindest zu stagnieren, blieben gleichzeitig die Ursachen vieler weiterer Konflikte unangetastet. Das Potenzial eines Wiederaufflammens der Gewalt sei dort nach wie vor sehr real. Gleichzeitig seien auch neue Spannungen und eine wachsende Unzufriedenheit mit den Regierungen in aller Welt festzustellen, was in einigen Staaten zur Entstehung oder Verfestigung zunehmend autoritärer Reaktionen geführt habe.

In der Einzelbetrachtung befindet sich Island als das friedlichste Land der Welt auf dem ersten Platz, eine Position, die es seit 2008 innehat. Neben Island stehen Neuseeland, Österreich, Portugal und Dänemark an der Spitze des Friedens-Index. Afghanistan ist das zweite Jahr in Folge das am wenigsten friedliche Land der Welt, gefolgt von Syrien, Irak, Südsudan und Jemen. Alle, mit Ausnahme des Jemen, gehören seit mindestens 2015 zu den fünf gewalttätigsten Ländern der Welt.

Ein paar Kernaussagen des ›GPI 2020‹:

  • Das durchschnittliche globale Friedens-Niveau verschlechterte sich gegenüber dem letztjährigen Ergebnis um 0,34 Prozent.
  • Die Schere zwischen den unfriedlichsten und den friedlichsten Ländern klafft immer weiter auseinander: Während sich die Lage in den unfriedlichsten Staaten im Durchschnitt um 12,9 Prozent verschlechterte, verbesserte sie sich in den 25 friedlichsten Ländern um 2,1 Prozent.
  • Das Ausmaß der sozialen Unruhen hat in den letzten zehn Jahren stark zugenommen. 2019 gab es in über 96 Ländern mindestens eine gewalttätige Demonstration.
  • Von 2011 bis 2019 nahm die Zahl der Unruhen, Generalstreiks und regierungsfeindlichen Demonstrationen weltweit um 244 Prozent zu.
  • Die sozialen Unruhen in Subsahara-Afrika nahmen in diesem Zeitraum um mehr als 800 Prozent zu.
  • Die globalen wirtschaftlichen Kosten der Gewalt beliefen sich 2019 auf 14,5 Billionen US-Dollar, was 10,6 Prozent des globalen BIP oder 1.909 US-Dollar pro Person entspricht.
  • In den zehn Ländern, die wirtschaftlich am stärksten von Gewalt betroffen sind, beliefen sich die durchschnittlichen Kosten auf 41 Prozent des BIP. In den zehn friedlichsten Ländern betrugen die durchschnittlichen wirtschaftlichen Kosten 3,9 Prozent des BIP.
  • Mehr als zwei Milliarden Menschen leben in Ländern, die unter hohem Wassermangel leiden, und etwa vier Milliarden Menschen leiden mindestens einen Monat im Jahr unter schwerer Wasserknappheit. Der Wasserverbrauch hat in den letzten vier Jahrzehnten um ein Prozent pro Jahr zugenommen.
  • Das Risiko der Unterernährung könnte sich in den ohnehin schon von Unterernährung gezeichneten Ländern der Welt im Vergleich zu den Ländern mit geringem Risiko infolge der COVID-19-Pandemie vervierfachen.

Die Auswirkungen von COVID-19

  • Am schnellsten dürften sich die Staaten von der Krise erholen, die eine niedrige Staatsverschuldung mit einer starken Wirtschaftsleistung und einer stabilen Regierungspolitik kombinieren.
  • Es wird erwartet, dass die Krise als Folge der Grenzschließungen und Ausnahmezustände die meisten Länder 2020 in die Rezession schickt; die Reise- und Tourismusbranche dürfte von allen Wirtschaftszweigen wahrscheinlich die stärksten Einbrüche zu erleiden haben.
  • Staaten, in denen weitgehend innerer Frieden herrscht, dürften über eine höhere Resilienz verfügen, die aus dem COVID-19-Schock resultierende Rezession abzufedern, sich anzupassen und davon zu erholen.
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